4 Tipps, um auch im Alter beweglich zu bleiben

In meinem Praxisalltag arbeite ich täglich mit älteren Menschen. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie unterschiedlich die körperliche Beweglichkeit im Alter sein kann. Manche Seniorinnen und Senioren bewegen sich erstaunlich leicht und selbstverständlich, während andere schon bei einfachen Alltagsbewegungen große Schwierigkeiten haben.

Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle: unsere Gene, Krankheiten oder frühere Verletzungen. Ein entscheidender Einfluss liegt jedoch in unserem Lebensstil. Ernährung, Stress, Schlaf – und vor allem Bewegung – bestimmen maßgeblich, wie unser Körper altert.

Die gute Nachricht: Oft sind es gar nicht komplizierte Trainingsprogramme, die langfristig einen Unterschied machen. Viel wichtiger sind kleine Bewegungen im Alltag, die wir regelmäßig ausführen.
Hier sind vier einfache, aber wirkungsvolle Tipps aus meiner physiotherapeutischen Praxis, mit denen Sie Ihre Beweglichkeit möglichst lange erhalten können.

1. Suchen Sie regelmäßig Bodenkontakt

Viele Menschen vermeiden ab einem gewissen Alter den Boden. Der Alltag spielt sich hauptsächlich auf Stühlen, im Sessel oder im Bett ab. Der Boden wird höchstens noch mit den Fußsohlen berührt.

Fragen Sie sich einmal selbst: Wann haben Sie sich zuletzt auf den Boden gesetzt, gekniet oder auf einer Matte oder einem Teppich gelegen?

Dabei geht es gar nicht unbedingt darum, längere Zeit dort zu sitzen oder zu liegen. Entscheidend ist die Bewegung zum Boden hinunter – und wieder zurück nach oben.

Warum ist das so wichtig?
Im Alltag kann es jederzeit passieren, dass man stürzt und plötzlich am Boden liegt. Viele ältere Menschen berichten mir, dass es ihnen dann nahezu unmöglich erscheint, ohne Hilfe wieder aufzustehen.

Trainieren Sie diese Fähigkeit daher regelmäßig – solange es noch gut geht. Nutzen Sie gern Hilfsmittel wie ein Kissen unter den Knien oder einen Stuhl zum Festhalten. Entscheidend ist: Bleiben Sie in Übung.

2. Bücken Sie sich – so oft wie möglich

Bücken ist eine der Bewegungen, die im Alter oft vermieden werden. Dabei ist sie enorm wichtig für die Beweglichkeit von Rücken, Hüften und Beinen.

Nutzen Sie im Alltag jede Gelegenheit dazu:

  • Bücken Sie sich beim Schuheanziehen

  • Heben Sie Dinge selbst auf, wenn sie herunterfallen

  • Stellen Sie beim Abtrocknen oder Fußnägel schneiden den Fuß auf einen Stuhl oder die Badewanne

  • Oder gehen Sie dafür auch einmal in die Hocke oder auf die Knie

Versuchen Sie möglichst lange, auf Hilfsmittel wie Greifzangen oder lange Schuhlöffel zu verzichten.

Jede dieser kleinen Bewegungen hält die Muskeln und Faszien im Rückenbereich geschmeidig und beweglich. Zusätzlich tut es natürlich genau so gut, sich zwischendurch mal bewusst zu strecken und zu räkeln.

3. Drehen Sie Ihren Oberkörper

Eine Bewegung, die in meiner Praxis erstaunlich vielen Menschen schwerfällt, ist das Drehen des Rumpfes.

In physiotherapeutischen Behandlungen bitte ich meine Patientinnen und Patienten häufig, sich auf die Seite oder den Bauch zu drehen. Für manche ist das eine echte Herausforderung.

Dabei brauchen wir Drehbewegungen ständig im Alltag:

  • beim Blick über die Schulter im Auto

  • beim Fegen oder Wischen

  • wenn uns jemand von hinten anspricht

  • oder wenn wir Dinge von einem Ort zum anderen tragen

Achten Sie deshalb bewusst darauf, Ihren Oberkörper regelmäßig zu drehen – im Sitzen, im Stehen oder im Liegen. Schon kleine Rotationsbewegungen helfen, die Wirbelsäule beweglich zu halten.

Hier finden Sie die Beschreibung meiner Lieblingsübung zum Thema „Drehen“.

4. Trainieren Sie Ihr Gleichgewicht

Ein gutes Gleichgewicht schützt vor Stürzen und gibt Sicherheit im Alltag. Auch hier braucht es kein aufwendiges Training – kleine Übungen zwischendurch reichen oft schon aus.

Probieren Sie zum Beispiel:

  • Beim Zähneputzen kurz auf einem Bein stehen

  • Den Fuß zum Abtrocknen hochziehen

  • Entlang einer Linie auf dem Boden balancieren

  • Auf einem weichen Kissen stehen und leicht auf der Stelle treten

Solche kleinen Herausforderungen für Ihr Gleichgewichtssystem helfen Ihrem Körper, stabil und reaktionsfähig zu bleiben.

Und wenn Schmerzen das Bewegen verhindern?

All diese Dinge können Ihnen helfen, lange beweglich zu bleiben. Manchmal jedoch verhindern Schmerzen in einzelnen Gelenken, dass wir uns so bewegen können, wie wir das gerne tun würden. Auch Schwindel kann ein großer Bewegungsverhinderer sein.

Wenn Sie an dieser Stelle selbst nicht weiterkommen und professionelle Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an mich. Ich gehe Ihren Beschwerden ganzheitlich nach und helfe Ihnen dabei, wieder mehr Sicherheit und Beweglichkeit im Alltag zu gewinnen.