Querflöte trifft Physiotherapie – Mehr Leichtigkeit durch bewusste Atmung und Haltung

Musizieren ist weit mehr als Fingerfertigkeit und musikalisches Gespür. Gerade beim Spielen der Querflöte sind eine freie Atmung, eine stabile Körperhaltung und ein entspannter Bewegungsablauf entscheidend. Gleichzeitig klagen viele junge Musikerinnen und Musiker über Verspannungen oder Schwierigkeiten beim Atmen.

Genau hier setzte ein besonderes Seminar an, das ich kurz vor den Sommerferien gemeinsam mit der Flötenklasse von Esther Krämer an der Musikschule Mühlheim durchführen durfte. Ermöglicht wurde das durch die großzügige Unterstützung des Fördervereins der Musikschule.

Wenn Atmung und Haltung zum Thema werden

Im Unterricht war Esther Krämer immer wieder aufgefallen, dass viele ihrer Schülerinnen Schwierigkeiten mit einer entspannten Atmung hatten. Auch Rücken-, Schulter- oder Nackenschmerzen nach längeren Übeeinheiten waren keine Seltenheit. Aus eigener positiver Erfahrung mit Körpertherapie entstand deshalb die Idee, diese Themen gezielt in einem Workshop aufzugreifen.

Für mich war es eine spannende Gelegenheit, physiotherapeutisches Wissen mit den besonderen Anforderungen des Flötenspiels zu verbinden.

Das Seminarkonzept

Das Seminar bestand aus zwei Bausteinen.

In einer gemeinsamen Gruppenstunde vermittelte ich zunächst anschaulich die Grundlagen der Atemmechanik. Ziel war es, ein besseres Verständnis für die Atmung zu schaffen und gleichzeitig durch praktische Übungen eine entspannte Bauchatmung erfahrbar zu machen. Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit den Grundlagen einer stabilen und gleichzeitig lockeren Körperhaltung beim Flötenspiel.

Eine Woche später folgte für jede Schülerin ein 30-minütiges Einzelcoaching. So blieb genügend Zeit, auf individuelle Beschwerden und persönliche Fragestellungen einzugehen.

Atmung erleben statt nur erklären

Sieben Schülerinnen im Alter von neun bis 18 Jahren nahmen an der ersten Seminareinheit teil. Nach einer kurzen theoretischen Einführung konnten sie zunächst ihre persönliche Ausatemdauer an der Querflöte ausprobieren.

Anschließend stand die Praxis im Mittelpunkt: Mit verschiedenen Übungen lernten die Schülerinnen, ihre Bauchatmung bewusster wahrzunehmen und effizienter einzusetzen. Besonders beliebt war das „Blubbern“ mit einem Trinkhalm in einem Wasserbecher. Spielerisch ließ sich dabei die Ausatmung verlängern – und so wurden sogar einige persönliche Rekorde aufgestellt.

Die richtige Haltung finden

Ein weiterer Schwerpunkt war die Körperhaltung beim Flötenspiel. Schon das Anheben der Querflöte verändert den Stand und die Muskelspannung.

Gemeinsam erkundeten wir Fragen wie:

  • Wo entstehen unnötige Spannungen?
  • Wie lässt sich das einseitige Gewicht der Flöte ausgleichen?
  • Welche Fuß- und Kopfstellung fühlt sich am stabilsten und gleichzeitig entspanntesten an?
  • Wie verändert sich die Körperhaltung, wenn die Flöte etwas höher oder tiefer gehalten wird?

Die Schülerinnen konnten verschiedene Positionen selbst ausprobieren und direkt spüren, welche Veränderungen sich auf ihre Haltung und ihr Spielgefühl auswirkten. Kleine Entspannungsübungen für den Alltag und zwischen den Übeeinheiten rundeten den Nachmittag ab.

Individuelle Lösungen im Einzelcoaching

Für das Einzelcoaching hatte Esther Krämer bereits kurze Videoaufnahmen der Schülerinnen beim Flötenspiel vorbereitet. Gemeinsam analysierten wir die Aufnahmen und legten individuelle Schwerpunkte fest.

Die Themen waren vielfältig: Atemprobleme, Schulter- und Rückenschmerzen, verspannte Finger oder Lippen sowie unnötige Muskelspannung beim Spielen.

Mit gezielten Übungen – beispielsweise Balanceübungen auf einem Wackelbrett kombiniert mit Atemtraining oder bewusstem An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen – konnten die Schülerinnen erleben, wie bereits kleine Veränderungen ihre Atmung erleichtern und das Flötenspiel entspannter machen.

Mein Fazit

Dieses Seminar hat mir spannende Einblicke in die körperlichen Anforderungen des Querflötenspiels gegeben. Besonders beeindruckt hat mich, wie offen und neugierig die Schülerinnen die neuen Impulse aufgenommen haben.

Für mich bestätigt dieses Projekt einmal mehr, wie eng Atmung, Haltung und Bewegung miteinander verbunden sind. Oft reichen schon kleine Veränderungen, um Beschwerden zu reduzieren und mehr Leichtigkeit in Bewegung und Alltag zu bringen – ganz gleich, ob beim Musizieren, im Beruf oder beim Sport.

Ich wünsche allen Teilnehmerinnen, dass sie viele der erarbeiteten Übungen in ihren Alltag integrieren und mit noch mehr Freude, Leichtigkeit und einem freien Atem musizieren können.